Das Münchner Symphonieorchester Wilde Gungl stellt sich vor:
Hier erfahren Sie mehr über die Ziele des Vereins, seine Geschichte ( geprägt durch Franz und Richard Strauss) und die Organisation.
Ziele des Vereins
In unserem ältesten Münchner Musikverein können Liebhabermusiker und qualifiziierte, ausgebildete Amateure unter der Leitung eines professionellen künstlerischen Leiters große symphonische Werke einstudieren und regelmäßig im Herkulessaal der Residenz und im Prinzregententheater zur Aufführung bringen. Gelegentlich veranstalten wir auch Konzerte an anderen Spielorten wie Brunnenhof der Residenz, St. Nikolaus in Murnau, Basilika in Waldsassen oder Kloster Schönbrunn u.v.a.
Sicher können und wollen wir den großen, berühmten Münchner Orchestern nicht Konkurrenz machen, aber unsere beträchtliche Zuhörerschar lässt sich in meist ausverkauften Häusern von unseren schönen sowie mit Herzblut musizierten Konzerten immer wieder nachhaltig begeistern, dankt dies mit langanhaltendem Beifall und zuverläsisigem, regelmäßigem Wiederkommen.
Die treuesten Stammhörer sind "Fördernde Mitglieder" geworden, erhalten für 2 Konzerte pro Jahr je 2 Karten der besten Kategorie und sind auf diese Weise automatisch dabei, wenn die Gungl wieder zu "neuem Musikgenuss ruft".
Kommen Sie doch einfach in unser nächstes Konzert und erleben sie unvergessliche Momente herrlicher Musik zu unschlagbar günstigen Kartenpreisen und/oder werden auch Sie Förderer in der "Gunglfamilie" der treuesten Zuhörer! (Infos und Kontaktaufnahme auf der Startseite!
Geschichte
Die Wilde Gungl ist auch ein kleines Stück Münchner Stadtgeschichte. Es beginnt mit dem Gründungsjahr 1864: Auf König Mximilian II. folgt König Ludwig II., und Richard Wagner kommt auf dessen begehrlichsten Wunsch nach München; Richard Strauß wird am Altheiemr Eck in München geboren.
Im gleichen Jahr hat auch der "Ungarn-deutsche Walzerkönig" und Militärkapellmeister Joseph Gungl mit seiner achtzehn-Mann starken Kapelle in München sein Domizil aufgeschlagen. Er begeistert die Münchner allabendlich im "Englischen Cafe" am Lenbachplatz, wo heute das Bernheimer Haus steht, mit seinen schmissigen Ouvertüren , den gern gehörten Salonstücken, Märschen, Polkas und Walzern. Sein Orchester, das die Leute einfach "Die Gungl" nennen, macht regelmäßig Tourneen bis nach Russland und Nordamerika. Von dieser "Gungl" sind auch die Mitglieder der bereits 1840 gegründeten und noch heute bestehenden "Münchner Liedertafel" begeistert. Diese setzt sich zum großen Teil aus angesehenen Münchner Bürgern und Künstlern zusammen, denen neben der Mitwirkung bei seriösen Chorkonzerten auch die heitere Muse viel Freude macht. Künstlerfeste, verbunden mit lustigen Theateraufführungen, für die Text und Musik von den Mitgliedern zum Teil selbst geschrieben wurden, wechselten mit Tanzveranstaltungen und heiteren Herrenabenden ab. Für diese Unterhaltungen war ein größeres Orchester, das Stimmung machte und flott zum Tanz aufspielen konnte genau das richtige. Da viele Sangesbrüder auch ein Instrument "irgendwie beherrschten", gründete man bei der Weihnachtsfeier 1864 ein eigenes Orchester, quasi einen "wilden" Ableger der damals so bewunderten echten "Gungl". Was lag näher, als von nun an das Ensemble "Wilde Gungl" zu nennen. Im Gegensatz dazu ist der indirekte Namensgeber Joseph Gungl ( 1809-1889 ) , wenn auch zu Unrecht, fast ganz in Vergessenheit geraten. Auch das Philharmonische Orchester Bad Reichenhall führt seine Entstehung auf J. Gungl zurück, der 436 Werke hinterlassen hat.
Franz Strauss
Die Wilde Gungl hat Franz Strauss wie es heißt aus Privatvergnügen und ohne Entgelt geleitet. Er machte sie zu einer Art Hauskapelle. Er widmete dem Verein 1871 seinen Zigeunermarsch und dirigierte 1875 als Ehrengast das Orchester, um im Winter desselben Jahres die musikalische Leitung voll zu übernehmen.
Damit steht zum ersten Mal ein ausgebildeter Berufsmusiker am Dirigentenpult, was im Laufe der Geschichte des Orchesters bis zum heutigen Tage so geblieben ist. Franz Strauss steuerte den Programmen eine ganze Reihe eigener Kompositionen bei, in der Mehrzahl Walzer, Polkas, Galoppe und Quadrillen. Andererseits gelang es ihm aber auch, durch intensive Probenarbeit das Niveau des Orchesters anzuheben, sodass er es wagen konnte, auch anspruchsvollere Werke der ernsten Musik zu studieren und zur Aufführung zu bringen. Kein Konzert verging seitdem, ohne dass eine geschlossene Sinfonie auf dem Programm stand.
Die Bemühungen von Franz Strauss für die Gungl fanden vielseitige Anerkennung. Die süddeutsche Presse und die Münchner Nachrichten vom 20. Februar 1883 schreiben: ihr unermüdlicher Meister und Dirigent hat jedenfalls den ersten Antheil, und seinem unermüdlichen Streben, die Gesellschaft mit jedem Jahr leistungsfähiger zu machen, wird Seitens der Mitglieder willig Folge geleistet; denn nur vereintes Streben in der Kunst zeitigt Erfolge...Möge das innige Band, das Meister und Schüler seit Jahren umschlungen hält, noch recht viele Jahre dauern.
Richard Strauss
Am 29. Mai 1880 bot Franz Strauss anlässlich einer "Musikalischen Unterhaltung eine Überraschung: eine Gavotte seines damals noch 14-jährigen Sohnes Richard war zu hören, ein Klavierstück, das er auf Betreiben des Vaters im Jahre 1879 für Orchester gesetzt hatte und das als erstes Werk von ihm öffentlich aufgeführt wurde.
Im Oktober 1882 hielt Vater Strauss die Zeit für gekommen, seinen Sohn als aktives Mitglied in dem Orchesterverein, der damals mit über dreißig Spielern besetzt war, aufnehmen zu lassen. Bald schon rückte er vom dritten an das erste Pult vor und dirigierte zuweilen in einer Probe selbst. Sein Vater war manchmal streng mit ihm, wie aus den Berichten von Mitspielern zu entnehmen ist. Er konnte schon mal ein zorniges "Ruhe" herabzischen, wenn Richard mit leisem Pizzikato immer wieder die Stimmung seiner Geige prüfte, auch nach Erheben des Taktstocks.
Im Jahre 1884 wurde das 20-jährige Stiftungsfest in Tegernsee gefeiert, und aus diesem Anlass wurden auch einige Klavierkompositionen von Richard Strauss aufgeführt, die ein lebhaftes und positives Echo in der Presse fanden. Strauss hatte damals seinen ersten Berliner Winter hinter sich und hatte bereits ein beachtliches Renommée erworben. Die Cellosonate, das Violin- und Hornkonzert waren bereits aufgeführt, Insbesondere die Uraufführung der f-moll Sinfonie in New York hatte den zwanzigjährigen Komponisten in weiten Kreisen bekannt gemacht. Umso bemerkennswerter ist die Tatsache, dass er trotzdem gewissenhaft die Proben der Wilden Gungl besuchte.
Anlässlich eines Konzertes Anfang 1885 dirigierte Vater Franz Strauss den Festmarsch Nr. 2 in D-Dur, der hier zum ersten Mal erklang und der die Bayerische Landeszeitung zu folgendem Kommentar veranlasste: Die Musikrichtung, welcher der junge Komponist in diesem Festmarsche huldigt, sagt uns nicht zu, er scheint nicht übel Lust zu haben, in Brahms'sches Fahrwasser zu lenken, aber sei dem wie ihm wolle, durch und durch tüchtig gearbeitet ist dieser Marsch und legt mithin neuerdings den Beweis ab für die hohe Begabung und das tüchtige Studium des Komponisten. Bei dieser Aufführung spielte Richard Strauss zum letzten Mal in einem eigenen Werk bei der Wilden Gungl mit. Im September des gleiche Jahres verabschiedete er sich schriftlich beim Gründer des Vereins, Herrn von Rutz, um seinen Posten als Herzoglicher Hofmusikdirektor in Meiningen anzutreten.
Das 25-jährige Bestehen des Vereins im Jahre 1889 war Anlass zu einer groß angelegten Feier. Auch Richard Strauss war bei der Schar der Gratulanten; er war inzwischen königlich bayerischer Hofkapellmeister in München und hatte nebenbei die Würde eines Assistenten in Bayreuth erreicht und die Partituren zu "Don Juan" und "Tod und Verklärung" vollendet. Franz Strauss wurde mit einem Lorbeerkranz geehrt und des Sohnes Festmarsch in C-Dur nannte die Presse ein äußerst wirksames brillantes Tonstück...kräftig instrumentiert und frisch bewegt. Das Manuskript ist verschollen, eine Abschrift von der Hand des Vaters befindet sich im Besitz des Vereins.
Mit dieser Widmung eines eigenen Werkes endet die aktive Beziehung von Richard Strauss zur Wilden Gungl. Noch unter der Direktion von Franz Strauss wurde seine d-moll Sinfonie aufgeführt, die der Gungl zur alleinigen Aufführung überlassen worden war. Im Jahre 1896 scheidet Vater Strauss aus der Wilden Gungl, wie es heißt, auf ärztlichen Rat. Damit endet eine für den Ruf des Vereins ganz entscheidende Epoche.
Thomas Lange / Rudolf Rieser / Helmut Wagner
Organisation
- Eingetragener, gemeinnütziger Verein (etwa 80 Aktive, 85 Förderer, 30 Passive), Organe: Vorstand, Orchesterbeirat, Mitgliederversammlung.
- Dirigent: Jaroslav Opela, Dirigent seit 1969.
- Stimmführer: Dr. Arnim Rosenbach (Konzertmeister, 1.Geige), Eduard Plank (2.Geige), Viktoria Ellinger (Bratsche), Dr.Kira Fuchs (Cello), Ingrid Hecker (Kontrabass), Dr. Birgit Czermin (Holzbläser), Andreas Wohlmacher (Blechbläser).
- Proben: montags 19:30 s.t. Hansahaus, Brienner Straße 39, Rückgebäude, 2 mal im Jahr ganztägige Samstagsprobe.